Wissen, woher der Wind weht

Wissen, woher der Wind weht

MeteoSchweiz ist der nationale Wetter- und Klimadienst. Er erhebt wetterbezogene Daten und veröffentlicht sie auf der eigenen App und Website – und im Kartenviewer des Bundes «map.geo.admin».

 

Der Hauptsitz des Bundesamts für Meteorologie und Klimatologie am Flughafen Zürich
Der Hauptsitz des Bundesamts für Meteorologie und Klimatologie am Flughafen Zürich

Auf dem Grossen St. Bernhard beobachten die Mönche im Hospiz schon seit 200 Jahren das Wetter. Sie sind nicht die einzigen. Das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie unterhält rund 150 automatische Wetterstationen, welche Niederschlag, Wind, Temperatur und andere Parameter messen, sowie zirka 400 weitere Stationen, die ausschliesslich Niederschlag messen. Knapp die Hälfte davon wird manuell bedient. An einem Subset der Stationen werden zusätzlich durch Beobachter Wolken, Sichtweite, Gesamtbewölkung und andere Wetterphänomene erfasst – zum Beispiel auf Flugplätzen, wo das Wetter halbstündlich neu beurteilt wird. Diese Wettermeldungen werden vor dem Start durch die Piloten konsultiert, damit sie wissen, was sie am Zielort erwartet. Auf Anfrage können sie diese aktualisierten Daten auch während des Fluges erhalten.

Der Stationswart mäht den Rasen

«Unsere Wetterstationen sind so aufgestellt, dass die ganze Schweiz abgedeckt wird», erzählt Joël Fisler, Partnernetz-Koordinator und Data Steward bei MeteoSchweiz. «Wir haben knapp einen Viertel unserer Stationen in alpinem Gelände. Teilweise sind das autonome Stationen mit Solarbetrieb, andere werden mit Strom betrieben, sind beheizt und belüftet.» Sie werden regelmässig gewartet. «Einerseits hat man den Stationswart, der vor Ort ist», berichtet Joël Fisler. «Er geht etwa alle zwei Wochen zur Station, mäht Rasen, putzt Geräte und schaut, dass Niederschlagsmesser und Lüftung nicht verstopft und die Kabel nicht von Tieren angeknabbert sind. Oft ist das der Landwirt, auf dessen Land unsere Station steht. Andererseits gibt es die Jahreswartung durch unsere Techniker. Sie besuchen die Station einmal im Jahr, nehmen die Geräte auseinander, kalibrieren oder eichen und reinigen sie und führen Vergleichsmessungen durch.»

Alle zehn Minuten neue Daten

Die automatischen Messstationen senden alle zehn Minuten neue Daten. Wo Niederschlag manuell gemessen wird, übermitteln die Zuständigen ihre Resultate einmal täglich per SMS an MeteoSchweiz. Oft sind dies Privatleute, die in ihrem Garten ein Messgerät stehen haben, in dem sie die Regenwassermenge pro 24 Stunden sammeln und messen, und die mit einem Zollstock die Neuschneehöhe bestimmen. Letzteres ist allerdings ein Auslaufmodell: «Bei den Niederschlagsstationen geht vieles in Richtung Automatisierung», sagt Joël Fisler.

Das Zentrum für meteorologische Messtechnik in Payerne
Das Zentrum für meteorologische Messtechnik in Payerne

Wissen, wie das Klima sich entwickelt

Die gesammelten Daten nutzt das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz für vielfältige Zwecke – nicht nur für die Wettervorhersage. «Das Monitoring von Wetter und Klima ist aber nur eine unserer zahlreichen Aufgaben. Unsere Messdaten fliessen auch ein in Modelle, die für Klimaszenarien verwendet werden.» sagt Estelle Grüter, Leiterin Datenintegration bei MeteoSchweiz. Diese Szenarien nehmen vorweg, wie das Klima in der Schweiz sich entwickeln könnte – und welche Folgen sich daraus ergeben. «Wir entwickeln zum Beispiel Adaptionsstrategien in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Umwelt BAFU. Dort geht es unter anderem darum, wie die Landwirtschaft sich den Klimaveränderungen anpassen kann.» Eine Voraussetzung dafür sind lange meteorologische Referenzreihen wie diejenigen vom Grossen Sankt Bernhard. Sie liefern äusserst wichtige Informationen darüber, wie sich das Klima verändert.

Dank map.geo.admin mehr Sichtbarkeit – und Mehrwert für alle

MeteoSchweiz veröffentlicht die wetterbezogenen Daten auf der eigenen App und Website – und auf dem Kartenviewer des Bundes «map.geo.admin.ch». Von dort können sie auch in andere Websites integriert werden, zum Beispiel in diejenigen von Nachrichtenportalen. Joël Fisler erinnert sich: «Als es im Sommer diese Hitzewarnungen gab, hat der Tages-Anzeiger unsere Daten über iFrame in seinen Artikel eingebunden, und die Leute bei swisstopo sahen dann, wie die Zugriffsraten explodierten.»

Für MeteoSchweiz ist map.geo.admin ein weiterer Distributionskanal, der den Daten mehr Sichtbarkeit verschafft – und der Bevölkerung einen Mehrwert. Die Zusammenarbeit mit swisstopo trägt noch weitere Früchte: «Für die Berechnung der Solarpotenziale von Dächern und Fassaden haben wir unsere Globalstrahlungskarte mit den Gebäudedaten von swisstopo, swissBUILDINGS3D, kombiniert», berichtet Estelle Grüter. «Die Resultate werden in Kooperation mit dem Bundesamt für Energie BFE auf der Plattform sonnendach.ch publiziert. So können Bürgerinnen und Bürger ganz einfach herausfinden, wie viel Solarstrom sie auf ihrem Dach oder an ihrer Fassade produzieren könnten.»

20 Jahre KOGIS, Koordination, Geoinformation und Services

Am 1. Januar 2000 nahm die Stabsstelle KOGIS, kurz für Koordination, Geoinformation und Services, ihren Betrieb auf. Ihre Aufgabe: Eine Koordination im Geoinformationsbereich zu schaffen, damit nicht jedes Amt und jeder Kanton eine eigene Infrastruktur aufbauen mussten. Unter dem Einfluss von KOGIS entwickelte sich swisstopo von einem Geodatenproduzenten zu einem Dienstleistungszentrum, von dessen Produkten und Leistungen jede Schweizerin und jeder Schweizer profitieren kann. Insbesondere mit dem Geoportal map.geo.admin.ch hat KOGIS etwas geschaffen, das grossen und vielfältigen Nutzen für alle stiftet.

Mehr über KOGIS




sCHoolmaps.ch im “Folio” der swisstopo!

Copyright Blogbeitragsbilder: swisstopo, Bundesamt für Landestopografie

swisstopo Folio

Das “Folio” von swisstopo erscheint jährlich und widmet sich jeweils einem Schwerpunktthema. Für 2020 dreht sich alles um das Thema «Mehrwert» und die 20 Jahre Koordination der Geoinformation beim Bund.

Ergänzend zur Print-Ausgabe des Folios finden sich auf der Website von swisstopo die Folio-Artikel in einer ausführlichen Version.

 

Wenn Schulkinder forschen

10.06.2020 | DKW (Kommunikationsabteilung der swisstopo)

map.geo.admin.ch

Copyright: swisstopo

Die Theorie haben sie schon hinter sich; heute geht es ans Praktische: In einem Raum der Pädagogischen Hochschule HEP-BEJUNE in Biel blicken zehn Lehrpersonen konzentriert auf den Bildschirm und hauen in die Tasten. Sie entwickeln Unterrichtsideen für die Plattform sCHoolmaps.ch . Damit lässt sich zum Beispiel die Schulreise planen, der eigene Schulweg berechnen, die Lage der Stadtmauern in früherer Zeit eruieren oder eine coole OL-Selfie-Challenge durchführen. Grundlage für die Arbeit mit diesen digitalen (Schul-)Karten ist der Kartenviewer des Bundes map.geo.admin.ch.

Perfekt für Gruppenarbeiten und Projekte

sCHoolmaps sind unter anderem hervorragend geeignet für Gruppenarbeiten und Projekte – und diese kommen bei den Jungen gut an: «Jugendliche wollen Unabhängigkeit und Freiheit, und die meisten arbeiten gerne gemeinsam an einem Projekt», weiss Philippe Herter, Sekundarlehrer und Erwachsenenbildner an der HEP-BEJUNE. Er unterstützt die anwesenden Lehrpersonen an diesem Nachmittag bei der Arbeit an ihren sCHoolmaps und hat auch selbst Erfahrung in der Anwendung: «Unter anderem haben wir einmal mit einer elften Klasse untersucht, wie es im Jahr 1940 in Biel bezüglich Grünflächen ausgesehen hat. Das hat den meisten richtig Spass gemacht.»

Beliebt: die Zeitreisen-Funktion

Den Blick in die Vergangenheit ermöglicht die integrierte Zeitreisen-Funktion. Sie ist bei den jungen Forscherinnen und Forschern besonders beliebt. Sie zeigt zum Beispiel, wie es vor hundert Jahren am Standort des Elternhauses oder des Schulhauses ausgesehen hat. Auch der Schwund der Gletscher wird mittels Zeitreise eindrücklich dokumentiert und entlockt den Schülerinnen und Schülern manches überraschte «Wow!».

Spielerischer Ansatz

Der spielerische Ansatz der sCHoolmaps macht die Arbeit mit Geodaten attraktiv. Im Kartenviewer map.geo.admin.ch lassen sich Höhenunterschiede, Volumen und Distanzen berechnen, Höhenprofile erstellen oder mit der «Zeichnen»-Funktion eigene Karten kreieren. Zudem können Luftbilder aus verschiedenen Jahren betrachtet und Themenkarten mit zahlreichen Daten aus diversen Bundesämtern kombiniert werden.

Zusammenhänge verstehen

Die Kombinations- und Vergleichsmöglichkeiten kommen den Lehrplänen (LP21, PER) entgegen. Ihm gemäss sollen Schülerinnen und Schüler die Zusammenhänge zwischen ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Prozessen verstehen. sCHoolmaps fördert dieses Verständnis, denn hier trifft Geografie auf Themen der Fächer Geschichte, Biologie, Mathematik und Informatik. Selbst die Hauswirtschaft profitiert: Warum nicht einmal nachschauen, wo welche Käsesorten mit geschützten Ursprungsbezeichnungen hergestellt werden?

Ab dem vierten Schuljahr

sCHoolmaps bietet eine Vielzahl von Unterrichtsideen und Beispielen für die Arbeit mit dem Kartenviewer für fast jede Schulstufe. So lernen und üben schon Kinder des vierten Schuljahrs den Umgang mit digitalen, amtlichen Karten – eine wichtige Voraussetzung für den Aufbau von Kartenkompetenz. Der Zugang ist öffentlich, kostenlos und ohne Registrierung über map.geo.admin.ch möglich.

Das Projekt sCHoolmaps wurde 2015 lanciert und in den darauf folgenden Jahren in der gesamten Schweiz umgesetzt. Gemäss einer aktuellen Studie von LerNetz.ch nutzen derzeit rund 50 Prozent aller Schweizer Lehrpersonen den Kartenviewer bereits im Unterricht.

Autorin Artikel: Claudia Fahlbusch (Journalistin)

 

Weitere Informationen




“Geodaten bereichern den Schulunterricht” – sCHoolmaps.ch in der Solothurner Zeitung (Artikel vom 25.06.2019)

Geodaten bereichern den Schulunterricht (Thomas Röthlin)

Die Online-Landeskarten des Bundes bieten eine Fülle von ortsbezogenen Informationen. Die Pädagogische Hoch­schule der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW entwickelt daraus Unterrichtsideen – nicht nur für das Fach Geografie.

Virtuelle Zeitreise von 1946 nach 2019. Der rote Regler geht mitten durch den heutigen FHNW-Campus Brugg-Windisch. Screenshot von map.geo.admin.ch

Virtuelle Zeitreise von 1946 nach 2019. Der rote Regler geht mitten durch den heutigen FHNW-Campus Brugg-Windisch. Screenshot von map.geo.admin.ch

© Zur Verfügung gestellt

Herkömmliche Landkarten und Schulatlanten haben einen Nachteil: Sie sind früher oder später veraltet. Im Internet hingegen können Kartendaten à jour gehalten und jederzeit aktuell abgerufen werden. Dies macht sich die Pädagogische Hochschule FHNW zunutze: Sie entwickelt auf der Basis von map.geo.admin.ch, dem Online-Kartenviewer des Bundes, Unterrichtsmaterialien für die Volksschule. Dafür zuständig ist Lorenz Möschler am Institut Weiterbildung und Beratung der Pädagogischen Hochschule FHNW. «Zusammen mit Experten des Bundesamts für Landestopografie Swisstopo und Lehrpersonen filtern wir aus dem umfangreichen Datenmaterial geeignete Themenkarten heraus, aus denen dann Unterrichtseinheiten entstehen», sagt Möschler.
Das Projekt heisst sCHoolmaps – digitale Karten des Bundes für die Schule. Es ist bei imedias, der Beratungsstelle Digitale Medien in Schule und Unterricht der Pädagogischen Hochschule FHNW, angesiedelt. Diese unterstützt Lehrpersonen und Schulen bei der Umsetzung des Lehrplan-21-Moduls Medien und Informatik und bei der Integration von Informations- und Kommunikationstechnologien in den Unterricht.

Für viele Fächer geeignet

Im sogenannten Kartenviewer kann man nach Geoinformationen suchen, die weit über das Wanderwegnetz für die Planung der Schulreise hinausreichen. Neben klassischen Kartendaten wie Bodennutzung oder Höhenprofile können zum Beispiel Erdbebenzonen, die Badegewässerqualität, Lufttemperaturen in Echtzeit, die Verbreitung von invasiven Neophyten oder Standorte von Elektrotankstellen und 5G-Antennen dargestellt werden. Insgesamt stehen über 700 Datensätze zur Auswahl, und die Sammlung wächst stetig.
«Der Kartenviewer eignet sich nicht nur für das Fach Geografie», sagt Lorenz Möschler. In der Mathematik etwa lassen sich Steigungen berechnen, zumal das Tool Messungen zulässt. Und warum nicht in der Hauswirtschaft nachschauen, wo welche Käsesorten mit geschützten Ursprungsbezeichnungen hergestellt werden? Schliesslich kann man virtuelle Zeitreisen unternehmen, wobei etwa der Gletscherschwund eindrücklich sichtbar wird.
Vor kurzem hat Swisstopo als Betreiberin des Portals historische Luftaufnahmen online gestellt. Mit einem Regler lassen sich die Bilder von 1946 und heute übereinanderlegen und eins zu eins vergleichen – Geografie trifft Geschichte. Wie der Vergleich von Luftaufnahmen im Allgemeinen funktioniert, erklärt Möschler in einem Videotutorial.

Virtuelle Zeitreise in Brugg Winsch von 1946 nach 2019, in der Mitte der heutige FHNW-Campus.

 Zusammenhänge verstehen

Im neuen Lehrplan 21 ist die sogenannte Bildung für nachhaltige Entwicklung ein fächerübergreifendes Thema. Schülerinnen und Schüler sollen die Zusammenhänge zwischen ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Prozessen verstehen. Zu diesem Zweck arbeitet Lorenz Möschler mit sechs Lehrpersonen an entsprechenden Unterrichtseinheiten – Vorbild ist bestehendes Material über die Renaturierung der Gewässer –, die Ende 2019 parat sein sollen.
Einer davon ist Reto Hugenberg, Geografie- und Geschichtslehrer an der Bezirksschule Bremgarten. Er stellt gerade ein Aufgabenblatt über die Eignung von Hausdächern für die Nutzung von Sonnenenergie zusammen. Mit seinen eigenen Schülerinnen und Schülern nutzt er sCHoolmaps seit mehreren Jahren, «und sie finden es total spannend». Vor allem die Zeitreisen hätten es ihnen angetan. «Wie rasant unsere Infrastruktur gewachsen ist, zum Beispiel mit der Umfahrung Bremgarten direkt vor der Haustür, macht ihnen Eindruck. Die spielerische Art, Karten von gestern und heute zu vergleichen, trägt viel zum Verständnis bei.»
Für Lorenz Möschler ist klar, dass der Einsatz von digitalen Medien im Klassenzimmer an Bedeutung zunimmt und immer mehr Schulen Notebooks oder Tablets anschaffen. Mit der Hardware ist eine Voraussetzung für die Anwendung von sCHoolmaps gegeben. Damit die Webanwendung in breiten Lehrerkreisen bekannt wird, leistet Möschler viel Überzeugungsarbeit: «Die Geodaten sind ein ungeheurer Schatz, und mit sCHoolmaps stehen fertige Ideen für den Unterricht bereit. Es wäre doch schade, wenn dieses Angebot nicht genutzt würde.»
Thomas Röthlin

Im Kartenviewer lassen sich Ladestellen für Elektrofahrzeuge darstellen. In Rot die gerade besetzten Stationen.

Im Kartenviewer lassen sich Ladestellen für Elektrofahrzeuge darstellen. In Rot die gerade besetzten Stationen.

Link zum Artikel 

Zusatz:

zu dem im Artikel erwähnten Layer vom Bundesamt für Energie:

zudem Link auf www.sonnendach.ch vom Bundesamt für Energie




Neu – Artikel in der “Neuen Schulpraxis”: Max und Melanie heben den Geodatenschatz (März 2016)

Geo

Zum Artikel: Max und Melanie heben den Geodatenschatz

Merci allen beteiligten Interviewpartnern!

Zur Neuen Schulpraxis: Link




Beitrag zu sCHoolmaps.ch in Bildung Schweiz Ausgabe März 2016

In der Märzausgabe von Bildung Schweiz gibt es einen Artikel über sCHoolmaps.ch auf Seite 38 Link:

Bildung Schweiz

Nich alles im Artikel ist korrekt wiedergegeben, so handelt es sich z.B. um den Kartenviewer des Bundes und nicht allein von swisstopo. Er wird durch swisstopo betrieben. Zudem ist die URL: www.geo.admin.ch/edu nur mit dem WWW. anwählbar. Insgesamt freuen wir uns über den Beitrag des Journalisten zum Projekt.