map.geo.admin.ch // Weiterbildung für Lehrpersonen

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Skript zur Weiterbildung sCHoolmaps

Bei sCHoolmaps entwickeln Lehrpersonen gemeinsam mit Experten von Swisstopo, der Fachdidaktik für Sachunterricht und der Medienbildung Ideen, wie map.geo.admin.ch – der Kartenviewer des Bundes erfolgreich im Unterricht eingesetzt werden kann. Der Einsatz digitaler Karten ist dabei primär aus einer medienpädagogischen Perspektive bzw. dem Lebenswelt-Argument legitimiert. Analoge Karten verlieren seit 2005 mit dem Erscheinen von Google-Maps und der Karte von search.ch stetig an Bedeutung und dem soll auch in der Schule Rechnung getragen werden. Damit  Lehrpersonen produktiv mit dem Kartenviewer arbeiten können, benötigen sie sowohl Anwendungskompetenzen wie auch methodisch-didaktische Kompetenzen. Die Kompetenzen wurden den Lehrpersonen jeweils im Rahmen einer Weiterbildung aufgebaut. Dieser Beitrag fasst die wichtigsten Bestandteile einer solchen Weiterbildung zusammen. Planungsunterlagen, Aufgabenblätter wie auch Literatur sind entsprechend verlinkt.

Ablauf einer sCHoolmaps-Weiterbildung

  1. Das Projekt sCHoolmaps
  2. Das Geoportal des Bundes als Teil der Open-Data Strategie
  3. Funktionen des Kartenviewers map.geo.admin.ch
  4. Den Kartenviewer aus subjektiver Perspektive kennengelernt
  5. Die Karte – ein Unterrichtsmedium der ersten Stunde im Wandel

Das Projekt sCHoolmaps

Das Projekt sCHoolmaps ist ein Unterrichtsentwicklungsprojekt, das in einem Co-Creation-Prozess entwickelt wurde. Im Zentrum des Projekts steht ein mehrfach prämiertes digitales Werkzeug – der Kartenviewer des Bundes map.geo.admin.ch. Unter map.geo.admin.ch können über 500 Datensätze mit einem Raumbezug erkundet werden. Dieses reicht von historischen Karten, Kulturgüter, Lärmbelastung, aktuelle Wassertemperaturen und vieles mehr. Das Ganze funktioniert ohne Login, ist  kostenlos und werbefrei.

Die Geschichte von sCHoolmaps

Als ich den Kartenviewer 2013 an einer Weiterbildung einer Bezirksschule (die mit den gescheiten Jugendlichen) präsentierte, bemerkten die Lehrpersonen, sie sähen durchaus Potenzial, den Lernenden mit dem Kartenviewer ein paar Sachverhalte am Beamer zu illustrieren. Für die Lernenden selbst sei das Werkzeug jedoch zu anspruchsvoll. Trotzdem produzierte die Beratungsstelle Digitale Medien für Schule und Unterricht – imedias einen kleinen Youtubefilm von eher zweifelhafter Qualität (zum Film). Auch wenn der Film nach wie vor und ein wenig zurecht nur wenige Klicks hat, trat das Geoportal des Bundes mit imedias in Kontakt um erste Projektideen für den Unterricht zu skizzieren.

Das Projekt wird seit 2013 laufend erweitert

In einem Pilot mit wurden Lehrpersonen der 3. bis 6. Klasse beauftragt, mögliche Einstiegslektionen zu testen. Wir stellten fest, dass Lernende ab der 4. Klasse durchaus eigenständig mit dem Kartenviewer arbeiten können. Gleichzeitig erhielten wir konkrete Hinweise, welche Unterstützung die Lernenden auf den verschiedenen Stufen benötigen.
Mit dem Wissen, dass der Kartenviewer durchaus für die Volksschule geeignet ist, startete sCHoolmaps im Schuljahr 2015/16 als Co-Creation-Prozess mit 12 Lehrpersonen, Fachdidaktikerinnen und Fachdidaktiker der PH und den Kartenexperten des Bundes lanciert. Daraus sind rund 10 praxiserprobte, auf den Lehrplan 21 ausgerichtete kompetenzbasierte Unterrichtsideen mit unterschiedlichen Fachbezügen entstanden. Gleichzeitig erhielt das Geoportal des Bundes wertvolle Feedbacks, um den Kartenviewer zu verbessern. So wurde beispielsweise ein erweitertes Zeichenwerkzeug oder die Messfunktion bei mobilen Geräten gefordert. Beides wurde umgesetzt. Selbstverständlich sind alle entwickelten Unterrichtsideen mit einer Creative Commons Lizenz versehen (Namensnennung CC BY 4.0). Aktuell ist die Romandie (schoolmaps.ch/fr) daran, Unterrichtsideen für den Kartenviewer zu entwerfen. Das Tessin wird im Juni 2017 starten, Einheiten auf Basis des Kartenviewers zu entwickeln.

Projektposter-sCHoolmaps.ch

Das Poster zur Illustration des Projekts

Das Geoportal des Bundes

Auch wenn nur ganz kurz, sollen die Lehrpersonen wissen, wie der Kartenviewer entstanden und wer dafür zuständig ist.

Die Vorteile einer kostenlosen Onlinekarte wurde auch beim Bund erkannt. «Ihr enormes Potenzial macht Geoinformation zu einem Wirtschaftsgut ersten Ranges», schrieb das Koordinationsorgan im Bereich der Geoinformation des Bundes (GKG) bereits 2003 in seinem Umsetzungskonzept zur Strategie für Geoinformation beim Bund. Ausländische Studien wiesen schon damals potenzielle Multiplikatoreneffekte von 1:4 zwischen öffentlichen Investitionen und Wertschöpfungen auf dem privaten Geodatenmarkt nach – allerdings unter der Voraussetzung eines leichten und preiswerten Zugangs zu Geobasisdaten. Bei rund 230 Millionen Franken jährlichen Investitionen von Bund und Kantonen in Geodaten entsprach dies einem theoretischen Marktpotenzial von rund einer Milliarde Franken. Damit die Strategie für Geoinformation des Bundes umgesetzt und der riesige Datenschatz gehoben werden konnte, schlug das Koordinationsorgan den Aufbau einer Nationalen Geodaten-Infrastruktur (NGDI) vor. Sie sollte der Verwaltung, der Wirtschaft sowie Bürgerinnen und Bürgern jederzeit und überall einen raschen und kostengünstigen Zugang zu verlässlichen Geoinformationen gewährleisten. Die rechtliche Grundlage für die Umsetzung dieser Strategie bildet das Geoinformationsgesetz, das am 1. Juli 2008 in Kraft trat. Zwei Jahre später lancierte das Koordinationsorgan das öffentliche Geodatenportal geo.admin.ch. Der Kartenviewer (map.geo.admin) erblickte 2010 das Licht der Welt. Er visualisierte damals rund 100 Datensätze. Mit an Bord waren die Landeskarten von swisstopo und vereinzelt Daten der verschiedenen Bundesämter. Heute umfasst der Kartenviewer fast 600 Datensätze (Lärmkarten vom BAFU, Kartoffelanbaugebiete vom BLW, Handyantennen vom BAKOM und viele weitere mehr).

Informationen zum Geoportal des Bundes

Informationen zum Kartenviewer map.geo.admin.ch

Wie funktioniert der Kartenviewer?

Die Funktionen des Kartenviewers werden in der Hilfe sehr gut erklärt. Wir verzichten deshalb auf ein tutorielles Anleiten der Funktionen verzichtet – auch weil dies nicht dem intendierten Lernverständnis entspricht. Die Lernenden sollen jene Funktionen kennen, die sie zum Lösen der aktuellen Aufgabe benötigen. Es macht aber sicher Sinn, die Hauptfunktionen im Startbildschirm gemeinsam durchzugehen.

HinweisHilfe

Für den Pilot wurden verschiedene Übungen skizziert, wie mit Kindern der Kartenviewer eingeführt werden kann. Eine davon ist die Suche nach kuriosen Ortsnamen “Orte finden“.

Den Kartenviewer erkunden

In den Weiterbildungssequenzen wurde aus Zeitgründen meist darauf verzichtet, Einstiegsaufgaben wie “Orte finden” durchzuspielen. Das empfiehlt sich aus der Erfahrung nur dann, wenn die Teilnehmenden wenig Vorerfahrung haben oder eher kritisch eingestellt sind. Für ein intrinsisch motiviertes Publikum wurde deshalb eine anspruchsvollere Übung entworfen. In einer ersten Phase versuchen die Teilnehmenden das Arbeitsblatt zu lösten – halten aber gleichzeitig ihre Fragen fest. Im Plenum werden die Aufgaben und die Fragen der Teilnehmenden diskutiert.

EinstiegsaufgabeKartenviewer
EinstiegsaufgabeKartenviewer
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Das gleiche Dokument als editierbares InDesign-Dokument:

Die Karte – ein Unterrichtsmedium der ersten Stunde im Wandel

HistorischesSchulzimmer

Karten wie auch der Globus gehören zu den ältesten Unterrichtsmedien überhaupt und sie sind auch heute noch in den Schulzimmern präsent. Erste digitale GIS (Geoinformationssysteme) sind seit den 70er Jahren im Einsatz, vermochten damals aber kaum die nötigen Datenmengen zu verarbeiten (Gisgeography.com, 2017). Dabei sind die Schweizer Landeskarten seit 1998  digital als CD ROM verfügbar (vgl. Geschichte von Swisstopo). Damals aber zu einem stolzen Preis und die meisten Schulen verfügten meistens nicht über die nötige IT-Infrastruktur. Interessierte Lehrpersonen haben allenfalls mal eine Schulreise so geplant, engagierte gar die Schülerinnen und Schüler selber planen lassen. 2005 präsentierte map.search.ch eine der ersten Online-Karten für die Schweiz. Ebenfalls 2005 startete Google seinen Kartendienst und leitete damit einen Paradigmenwechsel der Kartographie ein. Plötzlich interessierten sich auch Informatiker und Hobbygeografen für die Kartographie – das Gestalten von Karten.

Im Lehrplan wird die Kompetenzen des Kartenlesens (z.B. im Kanton Solothurn) im 3./4. Schuljahr aufgebaut. Das Lernziel lautet auch heute noch wie folgt (der Lehrplan 21 wird in Solothurn 2018/19 eingeführt): “Sie können die Schülerkarte des Kantons lesen und sich mit einem Ortsplan orientieren. Sie können die wichtigsten geographischen Merkmale der Region auf der Karte finden.” (Lehrplan 1992, Nachdruck 2007 der Volksschule des Kantons Solothurn). Allerdings haftet der Kartographie ein etwas altbackenes Image an, weil das Memorisieren von Signaturen und Ortschaften bei der Fülle an Daten einer digitalen Karte nicht gerecht werden. Wenn in einer Karte plötzlich unzählige Daten mit Raumbezug und einer Zeitreise durch die Kartenwerke versehen werden, lassen sich mit der Karte ganz neue Themen aus fast dem ganzen Fächerkatalog erarbeiten. Was aber muss eine Schülerin oder ein Schüler heute können?

Schoolmaps

Die Kompetenzen des Kartenlesens verändern sich mit der Digitalisierung

In der wissenschaftlichen Kartographie wird seit rund 20 Jahren ein Paradigmawechsel hin zu Werkzeugen der Geovisualisierung vollzogen, “die einen interaktiven, visuellen Zugang zu (meist) multidimensionalen räumlichen Daten ermöglichen.” (Traun et al., 2013). Die Fachdidaktik Geographie befasst sich mit neuen Konzepten der subjektiven Kartographie oder Spatial Citizenship, in welchen nebst Anwendungskompetenzen auch Kompetenzen zur Reflexion und Kommunikation über Karten gefordert werden. Diese Kompetenzen können sowohl mit dem Kartenviewer, wie aber auch mit anderen digitalen Karten oder Geoinformationssystemen (GIS) aufgebaut werden. Ähnlichkeiten zu Baakes Modell der Medienkompetenz sind Offensichtlich.Grunddimensionen einer Education for Spatial Citizenship (nach Gryl & Jekel 2012, Jekel, Gryl & Schulze 2015)

Grunddimensionen einer Education for Spatial Citizenship (nach Gryl & Jekel 2012, Jekel, Gryl & Schulze 2015)

Operationalisierung von Medienkompetenz nach Prof. Dr. Dieter Baacke

Operationalisierung von Medienkompetenz nach Prof. Dr. Dieter Baacke

Der Lehrplan 21 trägt diesen Ansätzen bereits Rechnung und integriert teilweise die subjektive Perspektive der Kartographie z.B. in folgenden Kompetenzen:

“Schülerinnen und Schüler…

  • können die Lage und Richtung von Objekten im eigenen Erfahrungsraum beschreiben und dabei Orientierungsmuster anwenden (z.B. links/rechts, oben/unten, vorne/hinten).
  • können auf Karten und Plänen der Region, des Wohnortes der Schweiz, der Welt und auf dem Globus erkennen und zeigen, welche Orte und Gebiete sie schon kennen und diese beschreiben.
  • können ausgehend von Informationen zu aktuellen Ereignissen (z.B. Naturereignisse, Konflikte zwischen Bevölkerungsgruppen) räumliche Bezüge in Orientierungsmitteln auffinden und Informationen zu räumlichen Situationen einordnen.” (Lehrplan 21)

Es ist erfreulich, dass der Lehrplan diese Prinzipien aufnimmt. Gleichzeitig sind es genau solche Formulierungen, die Kritikern in die Hände spielen, weil keine spezifischen Inhalte formuliert werden. Wie soll denn bitte geprüft werden, wenn die Kinder selber bestimmen können, welche Orte für sie bedeutsam sind? Auch wenn diese Argumente durchaus berechtigt sind, entsprechen sie nicht mehr dem aktuellen Umgang mit Karten. Die Pöstlergeografie – ich vermute, sie wird nach wie vor in gewissen Klassen praktiziert, hat die Post bereits 1964 mit der Einführung der Postleihzahlen abgeschafft (vgl. Schweizer Bauer, 2014). Vorher mussten die Pöstler tatsächlich alle Namen der Poststellen in der Schweiz kennen. Die alte Karte kann man ja aus historischen Gründen hängen lassen. Nie falsch ist eine Ortskarte, auf welcher die Kinder z.B. ihren Wohnort mit einem Stecknadel markieren. Und auch der Globus ist nach wie vor mehr als berechtigt.

Literatur

Creative Commons Lizenzvertrag
Die Unterrichtseinheiten sind lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

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